B2B-Marktplätze: Händler fahren mit angezogener Handbremse

(Credit: Fotolia / Thomas Reimer)(Credit: Fotolia / Thomas Reimer)

Der Vertrieb über Online-Marktplätze ist im B2B-Handel zwar weit verbreitet, doch agieren die Player dort mit gemischten Gefühlen. Laut aktueller Zahlen des „B2B E-Commerce Konjunkturindex“, den das ECC Köln zusammen mit Intellishop auflegt, vertreiben rund 58,3 Prozent der befragten Unternehmen Waren bereits über B2B-Marktplätze – die Hälfte davon ausschließlich im Inland, die andere Hälfte sowohl im Inland als auch im Ausland.

Doch so richtig wohl fühlen sie sich mit ihrer Entscheidung offenbar nicht. Mehr als jeder vierte Umfrageteilnehmer nutzt B2B-Online-Marktplätze nur für einige wenige, gezielt ausgesuchte Waren, gut 35 Prozent kritisieren, dass sich auf derartigen Plattformen Marken und Premium-Produkte noch nicht adäquat präsentieren ließen. Gut ein Drittel der Befragten hat zudem Angst davor, über die Präsenz auf B2B-Online-Marktplätzen das eigene E-Commerce-Angebot zu kannibalisieren, jeder vierte fürchtet sich zudem vor einer ungewollten Abhängigkeit zu einem Plattform-Betreiber oder die Schwächung der eigenen Markenbildung.

Dass man über B2B-Marktplätze verhältnismäßig risikolos Marktpotenziale der eigenen Produkte und Services im Ausland ausloten kann, ist bei den B2B-Unternehmen auch noch nicht angekommen. Nur 16,7 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen in internationalen B2B-Online-Marktplätzen einen hohen Stellenwert für die eigene Internationalisierungsstrategie.

Bei der Bewertung der eigenen E-Commerce-Umsätze zeigt sich für November und Dezember ein positives Bild: 67,9 Prozent der Umfrageteilnehmer bewerten die Lage mit „sehr positiv“ bis „eher positiv“. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Januar/Februar 2015. Und auch mit ihren Gesamtumsätzen sind die B2B-Unternehmen zufrieden. Hier liegt der Anteil der „sehr positiv“ bis „eher positiv“ gestimmten Umfrageteilnehmer bei 58,9 Prozent. 

Die Charts im Überblick:

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November/Dezember 2015)

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November/Dezember 2015)

 

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November / Dezember 2015)

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November / Dezember 2015)

 

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November / Dezember 2015)

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November / Dezember 2015)

 

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November / Dezember 2015)

(Quelle: ECC Köln, Intellishop, Stand: November / Dezember 2015)

1 Kommentar zu "B2B-Marktplätze: Händler fahren mit angezogener Handbremse"

  1. Der Artikel bzw. die Studie ist grundsätzlich zwar sehr informativ, berücksichtigt jedoch eine entscheidende Frage nicht.

    Im B2B – Umfeld sind die jeweiligen Außenstände je Kunde meist deutlich höher, als man dies aus dem B2C – Umfeld (stationär wie auch im eCommerce) gewohnt ist.
    Die jeweiligen Forderungen je Abnehmer betragen bei gewerblichen Kunden häufig mehrere eintausend oder auch zehntausend Euro und können sich bei regelmäßigen Lieferbeziehungen mit Großabnehmern auch auf mehrere einhundertausend Euro kumulieren.
    Ein in diesem Zusammenhang relevantes Problem bestand bisher darin, dass diese Außenstände in einem eCommerce – tauglichen Verfahren nicht absicherbar waren. Ein Forderungsausfall hätte also zu existenzbedrohenden Konsequenzen, zumindest erheblichen finanziellen Verlusten des Webshopbetreibers führen können. Aus meiner Sicht ist auch dies ein wichtiger Grund dafür, dass zumindest bisher der B2B-Onlinehandel, bezogen auf das national wie international nutzbare Potential, eher rudimentär geführt wird.

    Seit kurzem gibt es jedoch die Möglichkeit, Forderungen gegenüber gewerblichen Debitoren im eCommerce in automatisierten Prozessen gegen Forderungsausfall bzw. Zahlungsunwilligkeit abzusichern (Zahlungsgarantie). Die Absicherung kann hierbei bis zu einem Betrag i.H.v. ca. 100.000 € je gewerblichen Kunden des Webshops erfolgen, der geografische Einzugsbereich dieser Lösung ist der EU – Raum bzw. sind die Mitgliedsstaaten der OECD.

    Dieser Ansatz ermöglicht es Unternehmen, ohne das Risiko eines Forderungsausfalles das international bestehende Absatzpotential noch besser zu nutzen und neue Kunden zu gewinnen.

    Mario Totzek

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